Manfred Kroboth

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kroko - gemeinsame Arbeiten
mit Jutta Konjer

 

 

 

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"His masters voice"

"ensoundment"

Interview aus:
"Klangräume als interdisziplinäre
Grenzüberschreitung" von
Jacob Tobias Sello

Aus: "Klangräume als interdisziplinäre Grenzüberschreitung" von Jacob Tobias Sello
Interview mit Manfred Kroboth

Das Gespräch fand am 30.09.07 im Kunstraum Ebene+14 in Hamburg statt.

Sello: Ich verstehe Klanginstallation als Schnittstelle zwischen verschiedenen Kunstgattungen. Wo liegt dein Schwerpunkt und was ist dein persönlicher Hintergrund?

Kroboth: Klangkunst liegt ja vor allem in den Bereichen zwischen Bildender Kunst und Musik. Ich selber habe Bildende Kunst studiert, komme genau genommen von der Bildhauerei, also vom plastischen Arbeiten und fing irgendwann an, akustisches Material als plastisches Material aufzufassen. Von daher liegt bei meinen Arbeiten ein Schwerpunkt auf den räumlichen Aspekten von Klang, auf die ich irgendwie Wert lege und weniger auf Zeit. Musik, denke ich ist ja eine Kunst, wo sich Töne vor allem in der zeitlichen Abfolge arrangieren. Dort geht es vor allem um zeitliche Abläufe und sehr wenig eigentlich um Raum. Und ich benutze eben die Akustik eher als raumdefinierendes oder raumschaffendes Material.

Sello: Und was reizt dich speziell an Klang als künstlerisches Ausdrucksmittel, Material? Was zeichnet den aus?

Kroboth: Klang ist kein Material im Sinne eines traditionellen plastischen Materials, sondern man kann mit den akustischen Mitteln sozusagen Räume schaffen, in denen man sich bewegen kann, und das auf zwei Arten: Nämlich einmal über die rein akustische Sache, dass man eben etwas hört oder nicht hört. Also man hört schon mal so einen Ton und der wird immer leiser und man hört ihn nicht mehr. Also bewegt er sich auf einen zu oder er geht weg. Oder man befindet sich mitten drin, er ist um einen rum, wobei da das Interessante ist, dass es, im Gegensatz zu anderen plastischen Materialien, keine Grenzen gibt. Es gibt ja niemals diese Oberfläche, wo du sagst, "hier ist ein Raum und der endet mit der Wand und da ist ein nächster Raum". Sondern es ist immer mehr eine Intensität, die stärker oder schwächer ist. Jedes akustische Ereignis setzt sich ins Unendliche fort, wird aber immer leiser, immer schwächer, aber es gibt eben nicht diesen klar abgegrenzten Raum zum Beispiel für irgendeinen Ton. Sondern es gibt nur eine Intensität, die eben stärker oder schwächer ist. So, das ist das eine, das ist die rein akustische Sache. Die andere ist, dass natürlich alle Töne oder Geräusche, die man hört, auch einen Inhalt haben, außer, sie sind wirklich pure Sinustöne. Ansonsten, selbst wenn es Instrumententöne sind, hat man irgendwie sofort so ein visuelles Bild von dem Instrument, also dem Klangkörper, der das erzeugt. Oder wenn es Umgebungsgeräusche sind, also Sachen, die ich zum Beispiel an einem anderen Ort aufgenommen habe und dann in einem Ausstellungsraum abspiele, dann vermitteln diese Geräusche ja eben auch immer ein Bild von dem Ort, wo sie herstammen oder imaginieren irgendeinen Ort. Man versucht, das zu erkennen. Dadurch entsteht ja noch mal auf einer anderen Ebene ein Raum, also ein neuer Raum, weil man sich ja irgendwie den Raum vorstellt, wo diese Geräusche herkommen.

Sello: Gibt es in deinen Arbeiten auch performative Aspekte?

Kroboth: Ja. Wobei wenn ich Performances gemacht habe, dann eher im Sinne von zeitlich begrenzten Installationen. Das Problem bei akustischen Installationen ist ja, dass sie in dem Ausstellungsrahmen immer endlos laufen, also eigentlich keinen Anfang und kein Ende haben. Bei manchen Sachen war mir es wichtig, dass es eine bestimmte Zeit gibt und auch eine Art Dramaturgie, also irgendeine Entwicklung, die so etwas wie einen Spannungsbogen hat. Und das geht eben nur dann, wenn ich dann irgendwie eine Performance mache indem ich sage, es fängt jetzt an und es geht so und so lange und hört dann auch auf.

Sello: Du arbeitest eben nicht ausschließlich mit Klang, sondern…

Kroboth: Ja, gut, Klanginstallationen beinhaltet, dass es eben auch immer eine visuelle Komponente hat. Mehr oder weniger stark natürlich.

Sello: Gibt es Künstler oder bestimmte Bewegungen, die dein Schaffen besonders beeinflusst haben? Irgendeine Traditionslinie, der du dich verbunden siehst?

Kroboth: Nein, Traditionslinie würde ich nicht sagen, aber es gibt natürlich eine Reihe Künstler, die auf unterschiedliche Weise mich geprägt haben. Also es gibt zum Beispiel einen, der eigentlich nicht unbedingt so direkt im Bereich der Kunst, oder wenn eigentlich eher in dem Bereich der Musik anzusiedeln ist, das ist Murray Schafer. Gerade sein Buch Klang und Krach oder The Tuning of the World - im Original - das war für mich so ein bisschen die Initialzündung. Wer auch, auch einfach aufgrund dessen, dass ich ihn persönlich kennen gelernt habe, für mich vielleicht prägend war, war Max Neuhaus. Natürlich gibt es auch noch eine ganze Reihe von anderen Leuten, wo ich Aspekte in der Arbeit immer interessant fand. Da könnte ich jetzt aber irgendwie einfach Dutzende nennen. Die beiden einfach wohl auch deswegen, weil ich sie beide persönlich kennengelernt habe, haben mich sozusagen auch noch mal ganz anders geprägt als die Leute, die ich sozusagen nur aufgrund ihrer Arbeiten oder Publikationen her kenne.

Sello: Kunst und Technologie stehen im 20. Jahrhundert ja in besonders enger Beziehung zueinander und gerade auch im Bereich der Klangkunst. Welchen Stellenwert hat Technologie in deinen Arbeiten, wie gehst du damit um?

Kroboth: In erster Linie als Werkzeug. Also wenn man mit Klang, mit akustischen Mitteln arbeitet, ist man natürlich irgendwie auf Elektronik und irgendwelche Geräte angewiesen. Als ich anfing, war die Computertechnik noch nicht so weit. Ich fing also noch mit so traditionellen Geschichten an wie etwa Mehrspur-Tonbandgeräten und Kassettenrecordern und so Sachen, mit einfacher, teilweise selbstgebauter Elektronik Experimente zu machen. Irgendwann wurden dann die Computer so billig, dass man sie auch gut dafür einsetzen konnte. Irgendwann wurden sie noch billiger, so dass ich dann auch anfing, Computer einfach für meine Installationen als Steuergeräte und Abspielgeräte zu benutzen, und in 31 Anhang Interview mit Manfred Kroboth dem Sinne habe ich auch ein bisschen programmieren gelernt. Aber ich habe mich eigentlich nie wirklich mit der Technologie an sich auseinandergesetzt, sondern sie war eigentlich immer nur Mittel zum Zweck. Und meistens auch sozusagen unsichtbar in den Arbeiten.

Sello: Entwickelst du denn für jedes Projekt ein eigenes Verfahren? Oder greifst du auf bewährte Methoden zurück?

Kroboth: Es gibt natürlich einfach Ähnlichkeiten oder Variationen auch im Prinzip von verschiedenen Arbeiten, die ich gemacht habe. Es gibt zum Beispiel einen ganzen Komplex von zusammengehörigen Arbeiten. Das begann damit, dass ich hier in Hamburg Aufnahmen gemacht habe von akustisch interessanten Orten und die erste Arbeit, die daraus entstand, war ein akustischer Stadtführer. Das war damals noch eine Kassette. Dann benutzte ich aber dieses Material in einer anderen Arbeit, die hieß dann Mousepad. Da hatte man dann die Möglichkeit, durch Hamburg auf einem vergrößerten Mousepad zu marschieren. Ich benutzte auch das Material in einer Arbeit, wo ich mit Infrarot-Kopfhörern arbeitete. Ich fing an, akustische Orte zu sammeln und hab mir mit der Zeit so eine Art Bibliothek zugelegt. Und eben aus dieser Bibliothek entstand eine ganze Reihe von Arbeiten. Und die haben natürlich erst mal was miteinander zu tun, weil ich immer vom gleichen Ausgangsmaterial her gearbeitet hab, und sie haben natürlich auch Ähnlichkeiten, weil es im Prinzip immer inhaltlich fast um das Gleiche ging, nämlich sich auf engem Raum durch unterschiedliche akustische Räume bewegen konnte. So, dieses Prinzip.

Sello: Entwickelst du denn deine Verfahren selbst und würdest du dich als Bastler bezeichnen?

Kroboth: Ja.

Sello: Kommen wir zum nächsten Punkt. Im Feld der Klanginstallation, da erscheint die Unterteilung in Raum- und Zeitkünste, wie sie ja schon im 18. Jahrhundert von Lessing vorgenommen wurde, als weitgehend überwunden. Was verstehst du unter Raum und welchen Stellenwert hat der in deinen Arbeiten, wie gehst du damit um?

Kroboth: Na ja, wie ich schon gesagt habe, ist der Raum, gerade in Bezug auf Raum-Zeit, in den Arbeiten schon die irgendwie wichtigere Sache. Und eigentlich alle Arbeiten haben wirklich auch noch räumlichen Charakter. Also es geht um Raumerfahrung. Ja.

Sello: Welchen Stellenwert hat denn Zeit in den Arbeiten? Gibt es so was, wie eine musikalische Entwicklung, eine Veränderung über die Zeit oder sind die Arbeiten statisch?

Kroboth: Das hat eben auch was mit dieser Frage von Performance oder von performativen Anteilen zu tun. In den Installationen gibt es eigentlich keine zeitliche Entwicklung. Rein technisch sind das Endlosschlaufen, und ich weiß ja auch nie genau, wann ein Besucher kommt und wie lange er bleibt. Deswegen muss ich also immer davon ausgehen, er kommt irgendwann und bleibt - na ja gut, ich kann natürlich sagen paar Sekunden oder maximal vielleicht drei Minuten, länger bleibt eigentlich niemand. So ungefähr. Und dann muss ich versuchen, in dieses Zeitfenster, das mir dann zur Verfügung steht, das auch reinzupacken. Es muss halt funktionieren. Ich fände es unsinnig, zu sagen, 32 Anhang Interview mit Manfred Kroboth ich mache eine Installation, wo man eine Stunde lang zuhören muss, weil ich einfach weiß, dass das keiner machen würde. Wenn ich eine Stunde brauche, dann muss ich das auch klar stellen. Und das ist eben am einfachsten, indem ich von vornherein sage, es ist gar keine Installation, sondern eben eine Art Performance oder eine Aufführung oder wie ein Film. Es gibt also in erster Linie bei meinen Arbeiten keine zeitlichen Entwicklungen, wobei natürlich Zeit eine natürliche Rolle spielt. Denn ohne Zeit gibt es auch keinen Ton oder Sound, keinen Klang. Jeder Klang entwickelt sich in der Zeit. Also natürlich spielt die Zeit eine Rolle, vielleicht aber eher in der Form der Wahrnehmung der Zeit in dieser endlosen Wiederholung als jetzt im Sinne von einer zeitlichen Entwicklung, die eben Anfangs- und Endpunkte hat.

Sello: Was inspiriert dich zu den Arbeiten und motiviert dich? Wo kommen die Ideen her?

Kroboth: Also die Ideen kommen aus der Arbeit. Wenn man eine Sache macht, kommen meistens neue Ideen heraus. Oder natürlich auch durch äußere Einflüsse. Wobei ich das einfach schwer finde, das irgendwie festzumachen, warum ich welche Idee wann habe. Sello: Ist es so, dass du zuerst, wenn du eine Installation machst, dir den Raum anguckst und daraufhin überlegst, was du da machen willst und wie du mit dem konkreten Raum umgehst oder sind die Arbeiten übertragbar? Kroboth: Na ja beides. Also natürlich, wenn ich jetzt für eine bestimmte Ausstellung, für einen bestimmten Raum eine Arbeit machen soll, dann muss ich mir natürlich den Raum anschauen und schauen, was da passt. Aber was ich dann mache, hat natürlich was mit meiner Arbeit zu tun. Also das heißt, da entwickelt sich was aus meiner Arbeit. Dann gibt es manchmal auch schon ähnliche Arbeiten oder es kann sein, dass es schon mal was Ähnliches gab. Also nicht alles ist dann immer neu. Natürlich gibt es manchmal auch spezielle Raumsituationen, die einfach eine neue Idee erzeugen, also ich denke, man kann es nicht so einfach beantworten, weil es eine gegenseitige Beeinflussung gibt. Manchmal kommt natürlich auch eine Idee und ich muss mir sozusagen den Raum dafür suchen. Und manchmal habe ich einen Raum und suche mir danach die Idee. So existiert beides parallel.

Sello: Welche Aspekte haben denn in der Umsetzung der Arbeiten einen hohen Stellenwert? Etwa ästhetische, funktionale, interaktive...

Kroboth: Es gibt halt Arbeiten von mir, die sind interaktiv und andere nicht. So. Natürlich sind irgendwo alle anderen Arbeiten interaktiv – wenn ich mich durch einen Raum bewegen muss, ist es auch schon eine Interaktion, aber ich meinte jetzt interaktiv mit einem Knüppel bewegen oder einen Hebel bewegen. Es gibt ja eben auch diese direkten interaktiven Arbeiten, ist klar. Ansonsten weiß ich nicht, also … Ästhetik, was … also ist ein schwieriger…

Sello: Atmosphäre, Stichwort Atmosphäre.

Kroboth: Akustische Kunst ist etwas, was sehr stark unterbewusst wirkt, während visuelle Wahrnehmung viel stärker verstandesmäßig funktioniert. Also ich sehe etwas und analysiere das. Wenn ich was höre, nehme ich das sehr häufig erst mal überhaupt gar nicht so direkt wahr, sondern es beeinflusst mich. Natürlich unterbewusst nehme ich das wahr. 33 Anhang Interview mit Manfred Kroboth Das hat auch was mit diesen Reizverarbeitungen im Gehirn zu tun. Also das Akustische geht ja eher so hinten auf Stammhirn erst mal und wird dann gefiltert, während das Visuelle direkt in das Vorderhirn geht. Und das ist natürlich auch eine sehr interessante Geschichte, damit zu arbeiten, weil man mit den akustischen Mitteln Dinge erreicht, die man eben nicht sofort verstandesmäßig irgendwo einordnet, sondern erst mal in dem Sinne nur wahrnimmt und die einen ja dann auch viel stärker emotional oder gefühlsmäßig beeinflussen als visuelle Dinge. Und deswegen ist natürlich diese Stimmung - also Stimmung sowieso (lacht) ist bei akustischen Sachen wichtig - aber diese Stimmung, dieser fast schon unaussprechliche Aspekt von Arbeiten, wo man das Gefühl hat, es ist irgendwie gut, ohne das sofort erklären zu können. Oder es ist schön, es ist hässlich, es ist furchtbar, es schreckt ab - all diese Sachen, die man eigentlich nicht erklären kann... Das ist natürlich auch ein Aspekt von akustischer Arbeit, den ich unglaublich reizvoll finde.

Sello: Und gibt es so was wie ein Leitmotiv, was sich durch deine Arbeiten zieht? Als so ein Thema, was dich immer wieder beschäftigt?

Kroboth: Das Thema sind eigentlich diese Phänomene an sich. Wie ich gesagt habe, Raum… einmal also dieser akustische Raum, einmal so von der physischen Wahrnehmung her. Einmal von der inhaltlichen, bildhaften, imaginären Wahrnehmung her, also die Imagination, die durch den Sound entsteht. Und dann gibt es ja natürlich auch so eine Entwicklung. Also irgendwann vor ein paar Jahren fing ich an, viel mit Sprache zu arbeiten, was ja eigentlich auch ein akustisches Phänomen ist, was erst mal überhaupt mit Raum eigentlich gar nichts zu tun hat. Was eigentlich auch, wenn man es auf die Buchstaben, also auf die Phoneme reduziert, ja erst mal was sehr Abstraktes ist. Also da fing ich an, so ein Interesse zu entwickeln: wie entsteht Sprache? was ist Sprache im akustischen Sinne für ein Phänomen? Und so Dinge. Manchmal verändern sich die Fragen und meine Arbeitsweise im Laufe des Arbeitsprozesses, denn irgendwann ist man natürlich selber mit der eigenen Untersuchung durch. Also vor allem diese Arbeiten mit Umgebungsgeräuschen, das habe ich eben zehn Jahre lang gemacht und irgendwann war das dann für mich auch sozusagen ein bisschen abgearbeitet.

Sello: Dann kommen wir jetzt zum letzten Themenblock. Die Rolle des Publikums. Wo präsentierst du deine Arbeiten und gibt es eine bestimmte Zielgruppe?

Kroboth: Sagen wir, es gibt bestimmte Zielgruppen aufgrund der Ausstellungssituation. Ich habe natürlich sehr häufig Arbeiten in Galeriesituationen, also Ausstellungsräumen gemacht, wo ich davon ausgehe, dass die Besucher kunstinteressiert sind. Manchmal oder in bestimmten Situationen kann ich auch davon ausgehen, dass sie klangkunstinteressiert oder auch vielleicht in gewisser Weise klangkunstvorgebildet sind. Es gibt aber auch Arbeiten im öffentlichen Raum, wo ich davon ausgehen muss, dass jeder das irgendwie mitkriegt und die Leute nicht unbedingt spezielles Interesse für Kunst haben, auch kein Interesse für Klangkunst und auch nicht über irgendeine Vorbildung oder so verfügen. Und je nachdem wie die Situation ist, muss ich natürlich auch die Arbeit dementsprechend verändern oder eine dementsprechende Arbeit machen, damit das funktioniert. Also, ich kann eben in einer Galerie nicht die gleiche Arbeit machen wie im öffentlichen Raum. Oder könnte ich schon, aber fände ich nicht sehr sinnvoll.

Sello: Und welche Rolle spielt der Rezipient in der Arbeit, oder für die Arbeit?

Kroboth: Gut, es gibt einmal diese wirklich interaktiven Arbeiten, wo der Rezipient, derjenige ist, der die Arbeit überhaupt zum Leben erweckt. Also nur dadurch, dass er sich zum Beispiel auf oder in der Arbeit befindet oder dass er mit der Arbeit irgendwas tut, entstehen überhaupt Töne. Beziehungsweise diese Arbeiten haben auch einen Charakter von Musikinstrumenten, und der Besucher ist sozusagen der Musiker oder er kann es sein. Also er kann damit spielen. Also im doppelten Sinne, also sowohl musikalisch als auch wirklich spielerisch damit was tun und auch seinen Spaß damit haben. Also dieser Humor oder die Freude, finde ich, ist auch was durchaus Gutes. Während er bei anderen Arbeiten der passive Zuhörer beziehungsweise Betrachter ist, weil es ja nicht nur rein akustische Arbeiten sind. Für mich selber ist es wichtig, dass ich nach Möglichkeit ein Feedback bekomme. Weil es für meine Arbeit natürlich auch wichtig ist, mitzukriegen, wie reagieren andere Leute darauf. Also ist das für die beispielsweise interessant oder ist es eben einfach komplett belanglos.

Sello: Und so was erfährst du dann aus Gesprächen? Oder beobachtest Du?

Kroboth: Also teilweise durch Beobachtung. Bei den interaktiven Arbeiten kriegt man das eben zum Beispiel gut durch Beobachtung mit. Und bei den anderen Arbeiten kriegt man das natürlich schon mit über so was wie Verweildauer und wie lange ist jemand in so einer Klanginstallation. Und natürlich nach Möglichkeit halt auch in einem direkten Gespräch. Wenn ich das kann, versuche ich das zum Beispiel auch in so einer Ausstellungssituation noch mit einzuplanen, was aber nicht immer geht. Das geht halt nur, wenn ich die Hand drauf habe und das auch machen kann. Also in dem sich zum Beispiel so ein Raum wie hier anschließt, wo man dann mit den Leuten in Ruhe reden kann.
[Anmerkung: Das Gespräch fand im Hamburger Kunstraum Ebene+14 statt. Auf der etwa 160qm großen Fläche kuratierte und organisierte Kroboth drei Jahre lang Austellungen und Konzerte verschiedener Künstler. An den Austellungsraum schliesst sich ein Café-Bereich an.]

Sello: Gibt es denn etwas, was der Rezipient mitnehmen soll? Gibt es also eine Aussage, die du irgendwie vermitteln willst?

Kroboth: Es geht weniger um Aussagen, es geht, glaube ich, mehr um Erfahrung. Es sind für mich ja auch Experimentieranordnungen, wo ich andere räumliche, akustische Erfahrungen machen kann. Ja, darum geht es in erster Linie. Wenn es vielleicht inhaltlich so etwas wie eine Message gibt, es gibt natürlich eine, die schwingt immer so ein bisschen mit, das ist: Denken findet zwischen den Ohren statt. Also dann bin ich bei Joachim Ernst Behrend, also "Das Ohr ist der Weg" oder "Die Welt ist Klang". Natürlich spielt das irgendwie schon so unterschwellig auch immer mit, wenn man sich so sehr auf das Akustische konzentriert.

Sello: Letzte Frage. Kannst du von deiner Kunst leben und möchtest du gerne von deiner Kunst leben können?

Kroboth: Die zweite Frage: ein klares Ja. Die erste Frage: ein Jein. Also fünfzig Prozent ungefähr oder so. Sello: Dann bedanke ich mich für das Gespräch.

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